Erstausgabe · April 2026 · Wien, Österreich

Österreich
Longevity Index
2026

Der erste datenbasierte Longevity-Bericht für die österreichische Bevölkerung — 8 Dimensionen, 58 Indikatoren, 30 europäische Vergleichsländer.

Publiziert von Amrita Vitality · Daten: Statistik Austria, OECD, WHO, Eurostat, ATHIS 2019, GBD 2021

24,1
Jahre Morbiditätslücke — Österreich verbringt fast ein Drittel seiner Lebenserwartung in eingeschränkter Gesundheit
Rang 22
von 30 europäischen Ländern bei Gesunden Lebensjahren — trotz Platz 8 bei der Lebenserwartung
~50%
NAD+-Rückgang zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr — zentrale molekulare Ursache des biologischen Alterns
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Die vier zentralen Befunde

Befund 01
Österreich verliert fast ein Drittel seiner Lebenserwartung an Krankheit

Mit 57,5 gesunden Lebensjahren bei einer Lebenserwartung von 81,6 Jahren weist Österreich eine Morbiditätslücke von 24,1 Jahren auf — 7,2 Jahre über dem EU-Durchschnitt. Rank 22 von 30 bei den Healthy Life Years. Schwedens Vorsprung: 16 gesunde Jahre mehr.

Befund 02
Lebensstil-Verhalten ist Österreichs größte Schwachstelle

Nur 36% der Österreicher erfüllen die vollständigen WHO-Bewegungsempfehlungen. 57% sind Vitamin-D-insuffizient. Lediglich 22% essen täglich 5 Portionen Obst und Gemüse. Die Ernährungs- und Bewegungsdimensionen ranken beide außerhalb der Top 20 in Europa.

Befund 03
Kardiovaskuläre Gesundheit: eine echte europäische Stärke

Bei der altersstandarisierten HKE-Mortalität (183/100.000) belegt Österreich Rang 7 in Europa. CVD-Sterblichkeit ist der einzige Bereich, in dem Österreich klar über dem EU-Durchschnitt performt — ein Zeichen, dass das Gesundheitssystem akute Erkrankungen gut behandelt, auch wenn Prävention zu kurz kommt.

Befund 04
Spermidin: Österreichs unerwarteter Longevity-Vorteil

Dank hohem Konsum von Weizenprodukten, Hülsenfrüchten und gereiften Käsen liegt Österreichs geschätzte Spermidin-Aufnahme bei ~10,8 mg/Tag — Rang 6 in Europa. Die Bruneck-Studie in einer kulturell verwandten Population zeigte, dass höhere Spermidinaufnahme dosisabhängig mit geringerer Gesamtmortalität assoziiert ist.

Österreich Longevity Score
0
/ 100
Rang 11
von 30 Ländern (EEA30)

Langes Leben.
Nicht immer gutes Leben.

Österreich belegt Platz 8 in Europa bei der Lebenserwartung. Beim entscheidenden Maßstab — gesunden Lebensjahren — landet Österreich auf Platz 22.

Diese Diskrepanz ist das zentrale Longevity-Problem Österreichs. Fortschritte in der Akutmedizin haben die Lebensdauer verlängert, ohne die Qualität der späteren Lebensjahre entsprechend zu verbessern. Chronische Erkrankungen, metabolische Dysfunktion und suboptimale Lebensstilfaktoren erzeugen eine „Leidensschere", die dazu führt, dass der durchschnittliche Österreicher 24,1 Jahre seiner Lebenserwartung mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen verbringt.

+7,2 Jahre
mehr Morbiditätslücke als der EU-27-Durchschnitt. Würde Österreich nur den EU-Mittelwert erreichen, würden Österreicher 7,2 zusätzliche Jahre in guter Gesundheit leben.
Lebenserwartung vs. Gesunde Lebensjahre
Gesunde Jahre (HLY)
Weitere Lebensjahre
Morbiditätslücke

Die 8 Dimensionen der Longevity

Jede Dimension aggregiert mehrere öffentlich verfügbare, peer-review-publizierte Indikatoren zu einem Score von 0–100. Gewichtung basiert auf populationsattributierbaren Fraktionen aus dem GBD-Bericht 2021.

Zelluläre Alterungsmechanismen

Was passiert in Österreichs Körpern auf molekularer Ebene? Der Österreich Longevity Index ist der erste österreichische Gesundheitsbericht, der die zellulären Hallmarks of Aging (López-Otín et al., 2013; 2023) in ein Bevölkerungs-Benchmarking integriert.

Die folgenden Daten sind bevölkerungsebene Schätzungen auf Basis europäischer Kohortenstudien. Österreich-spezifische Biomarker-Surveillancedaten existieren derzeit nicht — ihre Etablierung ist eine der zentralen Forschungsempfehlungen dieses Reports.

NAD⁺-Spiegel nach Lebensalter

% des Spiegels mit 20 Jahren (normiert auf 100)

Massudi et al., PLOS ONE 2012 · Zhu et al., PNAS 2015

Autophagieaktivität nach Alter

Relative Aktivität (normiert auf Alter 20–30)

Rubinsztein et al., Cell 2011 · Madeo et al., JCI 2015

Systemische Entzündung (hs-CRP)

Median hs-CRP mg/L nach Altersgruppe

Ferrucci & Fabbri, Nat Rev Cardiology 2018

Wo liegt Österreich im molekularen Alterungsprofil?

Mangels nationaler Biomarker-Daten lässt sich kein direkter Ländervergleich für molekulare Aging-Parameter ziehen. Österreichs Profil auf Basis von Lebensstilindikatoren und Risikofaktoren deutet jedoch auf spezifische Stärken und Schwächen hin:

↑ Relative Stärken
  • 🌾 Hohe Spermidinaufnahme → Autophagie-Aktivierung
  • ❤️ Niedrige CVD-Mortalität → gute vaskuläre Gesundheit
  • 😊 Hohe Lebenszufriedenheit → reduziertes Cortisol/Inflammaging
↓ Relative Schwächen
  • 🪑 Hohe Sitzzeit → beschleunigter NAD⁺-Rückgang
  • 🌤️ Vitamin-D-Mangel → gestörte mitochondriale Funktion
  • 🍟 Hoher UPF-Anteil → Mikrobiom-Dysbiose, Inflammaging

Die 9 Hallmarks of Aging nach López-Otín et al.

Die Bundesländer-Schere

Die Unterschiede zwischen österreichischen Bundesländern bei Lebenserwartung, Gesundheitsverhalten und chronischen Erkrankungen sind erheblich — und politisch zu selten diskutiert.

Die folgenden Einordnungen beruhen auf regionalen Daten von Statistik Austria, dem Österreichischen Gesundheitsbericht der GÖG und regionalen Mortalitätsstatistiken. Ein vollständiges regionales Scoring setzt kohärente Tier-1-Daten für alle 58 Indikatoren voraus, die derzeit nur teilweise verfügbar sind — deshalb werden die Bundesländer qualitativ eingeordnet und nicht numerisch gerankt wie die 30 europäischen Länder im Gesamtindex.

~2,8 J.
Lebenserwartung West vs. Ost
Spanne zwischen dem Bundesland mit der höchsten (Vorarlberg/Tirol) und jenem mit der niedrigsten Lebenserwartung (Burgenland/Wien) — trotz identischer Gesundheitsfinanzierung.
×2,1
Diabetes-Prävalenz Burgenland vs. Vorarlberg
Das Burgenland weist etwa die doppelte Rate an Typ-2-Diabetes auf wie Vorarlberg — getrieben durch Übergewicht, Bewegungsmuster und Altersstruktur.
Kärnten
Höchste Suizidrate bundesweit
Mit rund 15/100.000 Einwohnern liegt Kärnten deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 11,2 — Indikator für strukturelle Versorgungslücken im psychosozialen Bereich.
Politische Einordnung

Dieselbe Gesundheitsfinanzierung, dasselbe Leistungsspektrum — aber systematisch unterschiedliche Gesundheitsergebnisse zwischen den Bundesländern. Das ist kein biologisches Phänomen, sondern Ausdruck von regionalen Unterschieden in Bildung, Einkommen, Siedlungsstruktur, präventiver Versorgung und Lebensstil. Eine länderspezifische Public-Health-Strategie wäre ein naheliegender Hebel — existiert aber bisher nicht systematisch.

Was jetzt getan werden muss

Evidenzbasierte Empfehlungen auf drei Handlungsebenen — vom Einzelnen bis zur Forschungspolitik.

Methodik & Quellen

Vollständige methodische Transparenz ist kein Bonus — sie ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit. Alle Rohdaten sind als Open Data verfügbar.

Berechnungsmethode

Min-Max-Normalisierung aller Indikatoren auf 0–100 gegen die EEA30-Referenzgruppe, dann gewichtete arithmetische Aggregation zu Dimensionsscores und zum Gesamtindex.

score = (value − minEEA30) / (maxEEA30 − minEEA30) × 100

index = Σ (dim_score × weight)

Datenqualitäts-Matrix

TierTypIndikatoren
1Offizielle Nationalstatistik28
2Abgeleitet aus offiziellen Daten12
3Modellierte Schätzungen11
4Kohortenstudie-Schätzungen7

Einschränkungen

L1Selbstreport-Bias in ATHIS-Daten unterschätzt ungünstige Verhaltenswerte systematisch um ~3–5 Prozentpunkte.
L2HLY-Schätzung unterliegt stichprobenbedingter Schwankung von ±1,5 Jahren — single-year Rankings mit Vorsicht interpretieren.
L3Dimension 4 (Zelluläre Alterung) basiert ausschließlich auf europäischen Kohortenstudien, nicht auf österreichischen Nationalstatistiken.
L4Die meisten Verhaltensassoziationen sind korrelativer Natur; kausale Schlüsse erfordern RCT-Evidenz.

Vollständiges Quellenverzeichnis

Alle 32 zitierten Quellen in alphabetischer Reihenfolge. Jeder DOI-Link führt direkt zur Originalpublikation.

Amrita Vitality · amritavitality.com

Longevity-Forschung für Österreich

Dieser Report wurde von Amrita Vitality als unabhängiger Beitrag zur Longevity-Diskussion in Österreich publiziert. Unser Ziel: Evidenzbasierte Longevity-Strategien zugänglich machen — für Einzelpersonen, das Gesundheitssystem und die Forschung.

Alle Rohdaten stehen unter CC BY 4.0 zur freien Nutzung bereit. Zitationsempfehlung: Amrita Vitality (2026). Österreich Longevity Index 2026. Wien: Amrita Vitality.